Was sind Schadenfreiheitsklassen?

Was sind Schadenfreiheitsklassen?

Wie bereits im Beitrag zur Autoversicherung geschildert, richtet sich der zu zahlende monatliche bzw. jährliche Beitrag nach mehreren Faktoren. Hier zählen zum einen Typklasse des Fahrzeugs, Ihr Wohnort, Ihr Alter und eben die Freiheitsklasse des Fahrzeughalters. Doch was ist der Schadenfreiheitsrabatt im speziellen denn nun genau und wie können ihn schadenfreie Jahre beeinflussen? Erfahren Sie weiterhin wie Sie Kfz Schadenfreiheitsklassen übertragen können und wie sich diese nach einem Unfall verändern.


Was ist Schadenfreiheitsklasse?

Schadenfreie Jahre werden von den Versicherungen durch die Einstufung in sog. „Schadenfreiheitsklassen“ honoriert. War ein Fahrzeug während eines Kalenderjahres schadenfrei unterwegs, kommt der Vertrag im Folgejahr in die nächst günstigere Schadenfreiheitsklasse. Der zu zahlende Versicherungsbeitrag sinkt somit also durch unfallfreies Fahren nach und nach. Es gibt dabei unterschiedliche Tabellen für Pkw, Motorräder inkl. Quads und Trikes, Campingfahrzeuge, Klein- und Leichtkrafträder sowie für die übrigen Fahrzeugarten (Lieferwagen, Lkw, Zugmaschinen). Für Pkw gibt es meistens 35 Kfz Schadenfreiheitsklassen, bei den anderen Fahrzeugarten allerdings deutlich weniger.

Welche Schadenfreiheitsklasse habe ich? Schadenfreie Jahre lohnen sich!

Ereignet sich während des Versicherungsjahres ein Schaden, für den die Versicherung einzustehen hat, so erfolgt eine Rückstufung in den Kfz Schadenfreiheitsklassen, die mitunter bis zu 15 Stufen betragen kann. In der Regel gilt: je höher die aktuelle Schadenfreiheitsklasse ist, umso drastischer fällt die Rückstufung aus. Viele Versicherer bieten daher einen „Rabattretter“ gegen einen gewissen Mehrbeitrag an. Hierdurch erfolgt trotz Schadensfall keine Rückstufung. Ihr Versicherungsbeitrag bleibt also gleich. Das kann sich vor allem für langjährige schadenfreie Fahrer lohnen. Die Details ergeben sich aus den jeweiligen Versicherungsbedingungen.

Da wie oben erwähnt, verschiedene SF-Tabellen für die verschiedenen Fahrzeugarten bestehen, kann es auch passieren, dass den jeweiligen SF-Klassen auch unterschiedliche Prozentsätze zugeordnet sind. Es ist daher besonders bei einem Wechsel der Fahrzeugart darauf zu achten, dass nicht die jeweiligen Prozentsätze bei einem Beitragsvergleich herangezogen werden, sondern die konkrete SF-Klasse, die sich aus dem sog. „Rabattgrundjahr“ ableiten lässt.

Ein Beispiel: wenn die Rabattstaffel für Krafträder beispielsweise 10 Klassen umfasst, wird auf dem Versicherungsschein auch maximal der SF-Klasse 10 (bei Krädern) zugeordnete Prozentsatz ausgewiesen. Hat der Versicherungsvertrag allerdings bereits 15 schadenfreie Jahre bestanden, so kann bei einem Wechsel auf einen Pkw dort die SF-Klasse 15 zu Grunde gelegt werden.


Wie erfolgt die Einstufung? - Schadenfreie Jahre lohnen sich

Sofern keinerlei Vergünstigungen gewährt werden können, wird ein Vertrag zunächst in die Klasse 0 eingestuft. Hat der Versicherungsnehmer allerdings bei Vertragsbeginn bereits seit 3 Jahren den Führerschein, ist bereits eine günstigere Einstufung möglich. Hierbei wird die Zeit des begleitenden Fahrens mit angerechnet. Normalerweise werden auch alle Führerscheine aus anderen Ländern anerkannt.

Auch wenn die Eltern bereits als Kunde vorhanden sind, können meist die Kinder günstiger eingestuft werden, auch wenn Sie noch nicht so lange den Führerschein haben. Details hierzu entnehmen Sie bitte den Versicherungsbestimmungen oder fragen hierzu bei Ihrem Versicherer nach. Auch für Zweitfahrzeuge besteht in der Regel die Möglichkeit einer günstigeren Einstufung. Die Versicherer machen das allerdings meist von gewissen Voraussetzungen abhängig, beispielsweise vom Fahrerkreis oder von der Einstufung des Erstfahrzeugs. Auch hierzu empfiehlt sich ein Blick in Ihre jeweiligen Versicherungsbestimmungen.

Wie kann man Kfz Schadenfreiheitsklassen übertragen? Alles zum Schadenfreiheitsrabatt

Beachten Sie aber bitte, dass sog. „Sondereinstufungen“ häufig bei einem Wechsel der Versicherungsgesellschaft nicht bescheinigt werden. Das heißt, dass dann der Versicherungsverlauf so vom Vorversicherer bescheinigt wird, als ob keine Sondereinstufung erfolgt wäre. Bei einem Fahrzeugwechsel wird der Rabatt vom Vorfahrzeug jedoch übernommen.

Erwirbt der Versicherungsnehmer neben seinem vorhandenen Fahrzeug noch ein weiteres, so kann dieses über die sog. „Zweitwagenregelung“ ebenfalls bereits eine günstigere Schadenfreiheitsklasse erhalten. Bei dieser Konstellation wäre es auch möglich, den Rabatt vom Erstfahrzeug mit dem des Zweitfahrzeugs zu tauschen. Voraussetzung für die Übernahme eines Schadenverlaufs ist es, dass das Fahrzeug von dem der Rabatt übernommen wird, der selben oder einer höheren Fahrzeuggruppe angehört. Es gibt drei Fahrzeuggruppen: die untere Fahrzeuggruppe (Klein- und Leichtkrafträder bzw. -roller, Trikes, Quads, Pkws, Lieferwagen, Krankenwagen, Campingfahrzeuge), die mittlere Fahrzeuggruppe (Lkws, Zugmaschinen, landwirtschaftliche Zugmaschinen) und die obere Fahrzeuggruppe (Omnibusse, Sonderfahrzeuge).


Kfz Schadenfreiheitsklassen übertragen

Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass ein Schadenfreiheitsrabatt von einer anderen Person übertragen wird. So können auch Fahranfänger von Anfang an mit deutlich geringen Versicherungsprämien einsteigen. Hierfür sind allerdings einige Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Der Versicherungsnehmer muss zunächst glaubhaft machen, dass das Fahrzeug des Anderen überwiegend von ihm gefahren worden ist. Der Andere muss damit einverstanden sein, dass die Schadenfreiheitsklassen übertragen werden und muss seinen Schadenfreiheitsrabatt aufgeben. Dies haben beide auf einem Formular gegen Unterschrift zu bestätigen. Sollte der Übertragende bereits verstorben sein, muss der Versicherungsnehmer zudem bestätigen, dass weitere anspruchsberechtigte Personen nicht vorhanden sind.
  • Zwischen den Beteiligten muss ein besonderes Verhältnis während der Fahrzeugnutzung bestanden haben. In der Regel wird hier gefordert, dass ein nahes Verwandtschaftsverhältnis bestanden hat (Eltern, Schwiegereltern, Großeltern, Kinder, Geschwister) oder es sich um Ehe- bzw. Lebenspartner handelt. Auch Zeiten der Nutzung eines Firmenwagens können angerechnet werden, wenn der Arbeitgeber dies bescheinigt.
  • Der Übernehmende muss entsprechend lange den Führerschein besitzen, also z.B. bei Übernahme der SF 15 müsste der Führerschein bereits von mehr als 15 Jahren erworben worden sein.
  • Das Fahrzeug des Versicherungsnehmers muss sich in der selben oder einer niedrigeren Fahrzeuggruppe befinden.
  • Für die Übertragung der SF-Klasse sind Fristen zu beachten, die je nach Versicherungsgesellschaft differieren können. Der Zeitraum zwischen dem Ende der Fahrzeugnutzung und der Übertragung sollte nicht zu lange sein. Hier sollten Sie unbedingt Rücksprache mit Ihrem Versicherer halten.

Grundsätzlich werden immer die SF-Klassen der Haftpflicht und der vorhandenen Vollkasko übertragen. Sollte allerdings der Versicherungsnehmer keine Vollkasko abschließen, so wird die entsprechende Vollkasko-SF dennoch vorgemerkt, geht also nicht verloren. Wenn der Versicherungsnehmer vor der Rabattübertragung bereits einen eigenen Schadenfreiheitsrabatt erfahren hatte, so geht dieser ebenfalls nicht verloren, sondern wird bei der Versicherung als sog. „verdeckter Rabatt“ weitergeführt und kann im Bedarfsfall wieder aktiviert werden, wenn z.B. später ein weiteres Fahrzeug hinzu kommt.


Tipps zum Umgang mit Schadenfreiheitsrabatt

Eine Unterbrechung des Versicherungsverlaufes wirkt sich wie folgt aus: sofern die Unterbrechung während des Versicherungsjahres nicht mehr als sechs Monate beträgt, wird der Vertrag so behandelt, als hätte er das ganze Jahr über bestanden. Das bedeuted, es erfolgt eine Einstufung in die nächst bessere Schadenfreiheitsklasse; bei einer längeren Unterbrechung bleibt der Rabatt erhalten, der vor der Unterbrechung bestanden hat. Dauert die Unterbrechung über mehrere Jahre an, so empfiehlt es sich, immer mal wieder bei der Versicherung an den Rabatt zu erinnern, um einer Löschung der Vertragsdaten vorzubeugen.

Schadenfreiheitsklasse nach Unfall - Rückstufung verhindern

Haben Sie doch einmal einen kleineren Unfall erlitten, zum Beispiel wenn Sie beim Ausparken leicht an die benachbarte Straßenlaterne gefahren sind, kann es oft sinnvoll sein den Schaden selbst zu bezahlen, um eine Rückstufung zu vermeiden. Sie umgehen so den steigenden Beiträgen im nächsten Jahr. Hierfür melden Sie in aller Regel den Schaden wie gewöhnlich Ihrer Versicherung, die Ihnen dann die genaue Schadenshöhe mitteilt. Meistens haben Sie dann ein halbes Jahr Zeit zu entscheiden, ob Sie die Kosten selbst erstatten möchten. 

Kfz Schadenfreiheitsklasse Vollkasko

Grundsätzlich erwirbt man einen Schadenfreiheitsrabatt sowohl in der Haftpflicht- als auch in der Vollkaskoversicherung. In der Praxis besteht jedoch häufig nicht während der gesamten Lebensdauer eines Fahrzeugs eine Vollkaskoversicherung. Meist wird diese nach einigen Jahren in eine Teilkaskoversicherung umgewandelt. Wird dann nach einiger Zeit wieder ein Neufahrzeug angeschafft, so stellt sich die Frage, mit welcher Schadenfreiheitsklasse dann wieder eine Vollkasko abgeschlossen werden kann. Hat in den letzten 12 Monaten vor Abschluss einer neuen Vollkaskoversicherung keine Vollkasko bestanden, so wird der SF-Rabatt der Haftpflicht auch bei der Vollkasko zu Grunde gelegt. Voraussetzung ist dabei allerdings, dass es sich beim versicherten Fahrzeug um einen Pkw, ein Krad, ein Quad, ein Trike, ein Campingfahrzeug oder um einen Lieferwagen handelt.

Welche Schadenfreiheitsklasse habe ich?

Möchten Sie wissen welche Schadenfreiheitsklasse Sie aktuell haben, können Sie über einen Blick in Ihre letzte Beitragsabrechnung herausfinden. Dort sind diese sowohl für die Haftpflicht-, als auch für Ihre Vollkaskoversicherung aufgeführt.